Die Liebe macht den Unterschied

Statio zum Gottesdienst der Hospizinitiative der Caritas für den Landkreis Schwandorf für verstorbene Mitarbeiter

14.09.2021 in der Pfarrkirche Mariä Geburt Nittenau

Meine Lieben

Manchmal schaffe ich es nicht die Nachrichten anzusehen. Zu viel Leid bedrängt mich, an dem ich nicht wirklich etwas ändern kann. Gegenüber Kriegstreibern, korrupten Regierungen, menschlich verursachter, bitterer Armut fühle ich mich machtlos. Dabei habe ich die zunehmenden Naturkatastrophen noch gar nicht erwähnt.

Überließe ich mich nur diesen Bildern, ohne eine innere Gewissheit, dass sinnvolles Leben möglich ist, ich könnte nur zynisch abwinken, fatalistisch jeden Sinn in der menschlichen Existenz leugnen, oder mich in einen betäubenden Lebensgenuss stürzen. Wo bleibt Gott in dieser Welt der täglichen Hiobsbotschaften?

Viele Menschen stellen sich diese Frage schon gar nicht mehr. Sie lernten in ihren Kindertagen, dass Gott allmächtig, allwissend und ganz und gar die Liebe sei. Ihr Alltag aber lehrte sie: er greift nicht ein trotz zahlloser, manchmal verzweifelter Gebete. Sie denken, warum tut er nichts? Entweder, er weiß es nicht (dann ist er nicht allwissend), oder er kann es nicht (dann ist er nicht allmächtig), oder er will nicht (wie kann er dann die Liebe sein?).

Es gibt aber Menschen, die einen Unterschied machen. Sie zeigen auf, dass eine andere Art zu leben möglich ist. Sie fügen sich nicht widerspruchslos ein in die Strukturen des Unheils, die sie vorfinden. Sie fahren z.B. mit einem gespendeten Schiff aufs Meer und retten Flüchtlinge. Dabei folgen sie ausschließlich ihrem Gewissen gegen alle politischen Strömungen und gesellschaftlichen Widerstände.

Zu solchen Menschen, die einen Unterschied machen, gehören auch die vier verstorbenen Mitarbeiterinnen unserer Hospizinitiative. Sie begnügten sich nicht mit der Standardausrede "man kann eh nichts machen". Sie stimmten nicht ein in die Philosophie eines Lebens der ständigen Optimierungen, das sich ausschließlich an Erfolg und Genuss orientiert, und vielleicht sogar mit Hilfe zur Selbsttötung enden soll, wenn es nichts mehr zu optimieren gibt. Sie verbreiteten die Hospizidee aktiv in ihrem Umfeld. Setzten sich ein für ein möglichst selbstbestimmtes, gutes Leben, gerade auch auf dem letzten Abschnitt des Lebensweges.

Sie machten einen großen Unterschied! Jeder Angehörige, der dringend erforderlichen Freiraum nutzen durfte, weil er seinen Patienten in guten Händen wusste, hat diesen Unterschied erlebt.

Jeder Schwerstkranke oder Sterbende, der in ihnen Zuhörende fand, aber auch Schweigende, wenn Worte nichtssagend werden, hat diesen Unterschied gespürt. Unsere verstorbenen Hospizmitarbeiterinnen lebten diesen Unterschied: Nähe und Zuwendung statt wegsehen und fern bleiben. Vor dem Leid nicht die Augen verschließen und da sein, ganz nah, wenn "Machen" ein Witzwort geworden ist und Ohnmacht ausgehalten werden muss.

Ich denke, Gott wirkt durch solche Menschen, denen er die Fähigkeit gibt, einen Unterschied zu machen. Es mag sein, dass er noch anders wirkt, im Verborgenen, ohne dass wir sein Wirken erkennen können. Aber vor allem durch Menschen, die sich von Ihm in Dienst nehmen lassen, wird Gottes Liebe und Menschenfreundlichkeit unter uns offenbar.

Gott ist dabei grenzenlos kreativ und erfinderisch. Er wartet nicht, bis er "ideale" Bedingungen vorfindet. Wir müssen nicht vollkommen oder perfekt sein, um in seinem Sinne einen Unterschied zu machen. Schon Petrus war gelegentlich ein Großmaul und doch so feige, dass er Christus verleugnet hat. Das hat Gott nicht daran gehindert mit Petrus einen großen Unterschied zu machen. Ich bin sicher, dass Gott sogar Menschen in seinen Dienst nimmt, die ihn gar nicht kennen wollen, die seiner Kirche nicht angehören. Das ist für Gott kein Hindernis. Er hat in jeden von uns die Fähigkeit zum Guten gelegt, hat uns mit vielen Talenten begabt. Wenn wir nur das Geringste davon nutzen wollen, dann unterstützt er uns.

Es genügt ihm schon eine tiefe Sehnsucht, dass Leben doch eigentlich ganz anders sein müsste. An diese Sehnsucht kann er anknüpfen. Sein Motor ist die Liebe, die als göttlicher Samen in uns allen wohnt. Wenn wir ihr Raum geben, ihr Wachsen zulassen, wird Vieles möglich.

Die Liebe macht den großen Unterschied: Schule ohne Liebe ist Dressur. Pflege ohne Liebe ist Notversorgung. Gemeinschaft ohne Liebe ist vom Zerfall bedroht. Gesellschaftliche Strukturen ohne Liebe sind letztlich tödlich!

Renate Ferstl, Edith Schmid, Christa Strauß und Birgit Wölker haben der Liebe nach ihren Möglichkeiten Raum gegeben. Wir danken Gott dafür, dass wir sie kennen und eine Strecke Weges mit ihnen gehen durften.

Inhalt

Zur Homepage